Schnelltests sind kein reines Pandemie-Phänomen mehr. In Apotheken, Online-Shops und Fachversandhäusern sind Produkte für Dutzende von Erregern und Antikörpern erhältlich, vom Influenza-Antigen bis zu Borreliose-Antikörpern. Die Frage, wann solcherlei Tests wirklich Aufschluss geben, ist allerdings oft offen. Und woran erkenne ich ein gutes Produkt?
Wann ist ein Schnelltest medizinisch sinnvoll?
Nicht jede Erkrankung lässt sich per Schnelltest zuverlässig abklären. Wichtig ist, ob der Erreger oder die Immunantwort zum Testzeitpunkt in ausreichender Konzentration vorhanden ist. Bei Antigen-Tests muß also der Erreger selbst noch aktiv im Körper sein. Bei serologischen Tests (das sind die, die Antikörper nachweisen) ist der Abstand zum Infektionsereignis von entscheidender Bedeutung.
Beispiel: Wer nach Kontakt mit Nagetieren oder deren Ausscheidungen über grippeartige Beschwerden klagt, fragt sich, ob eine Hantavirus-Infektion vorliegt. Hantaviren übertragen sich nicht von Mensch zu Mensch, sie kommen nur von infizierten Tieren, in Deutschland hauptsächlich von Rötelmäusen. Endemiegebiete mit zeitweiser verstärkter Übertragungsaktivität sind laut Robert Koch-Institut die Schwäbische Alb, das Münsterland oder der Bayerische Wald. Wer in diesen Gebieten lebt oder arbeitet, oder regelmäßig Zeit im Freien verbringt, hat ein statistisch nachweisbares Expositionsrisiko. In diesen Situationen ist ein gezielter Antikörpertest ein nachvollziehbarer erster Schritt. Wer sich einen hantavirus test kaufen möchte, sollte darauf achten, dass beide Antikörper IgG und IgM gleichzeitig erfasst werden.
IgG und IgM: Was die Antikörperklassen diagnostisch aussagen
Nach einer Infektion produziert das Immunsystem verschiedene Antikörperklassen zu unterschiedlichen Zeitpunkten. IgM-Antikörper entstehen früh, in der Regel bereits in der ersten Woche der Infektion, und sind Zeichen eines akuten oder sehr frisch liegendem Geschehen. IgG-Antikörper entstehen verzögert, können aber noch Jahre nach überstandener Erkrankung nachweisbar sein und zeigen eine durchgemachte Immunantwort an.
Ein Test, der beide Klassen parallel erfassen kann, gibt deshalb wesentlich mehr diagnostische Auskunft als ein einfacher Einzelnachweis. Ist ausschließlich IgM nachweisbar, spricht das für eine frische Infektion. Sind beide Klassen positiv, befindet sich der Erkrankte wahrscheinlich in der Übergangsphase. Ist nur IgG nachweisbar, liegt das Infektionsereignis wahrscheinlich länger zurück. Dieses Interpretationsschema ist kein hantavirus-spezifisches Prinzip, sondern serologischer Standard, der etwa auch bei der Diagnostik von Epstein-Barr-Virus, Borreliose oder Toxoplasmose zur Anwendung kommt.
Qualitätsstandards: Worauf es ankommt
Nicht jeder Schnelltest hält, was die Verpackung verspricht. Für den europäischen Markt bestehen in der EU-Verordnung 2017/746 über In-vitro-Diagnostika (IVDR) verbindliche Anforderungen an klinische Leistungsnachweise, Risikoeinstufung und technische Dokumentation. Die meisten Tests zur Infektionsserologie fallen in die Risikoklassen C oder D und unterliegen damit einer Konformitätsprüfung einer notifizierten Stelle, also unabhängigen Prüforganisation.
Konkret sollte ein verlässlicher Schnelltest also folgende Kriterien erfüllen: mindestens 95% Sensitivität und 98% Spezifität (diese jeweils erregerspezifisch zu bewerten!), CE-IVD-Kennzeichnung nach IVDR, genaue Angaben zur Zielgruppe und Testfenster, Gebrauchsanweisung mit verständlichem Aufbau, Referenzintervallen. Hersteller, die solche Daten offenlegen, belegen damit, dass ihre Produkte ein standardisiertes Prüfverfahren durchlaufen haben.
Ein Schnelltest ersetzt nicht den Arzt, noch ersetzt er irgendwelche Labordiagnostik bei klinischem Verdacht. Er ist jedoch ein geeignetes Mittel, um die eigene Entscheidung vorzubereiten, ob und wann man den Arzt aufsuchen sollte, oder ob die Exposition als wirkliches Risiko einzuschätzen ist. Der Nutzen hängt hier genau so vom richtigen Testzeitpunkt ab wie von der Qualität des Produktes.
Tipps für die Anwendung und Interpretation von Schnelltests
Die korrekte Anwendung eines Schnelltests ist entscheidend für die Zuverlässigkeit des Ergebnisses. Es ist wichtig, die beiliegende Gebrauchsanweisung sorgfältig zu lesen und Schritt für Schritt zu befolgen. Dazu gehört unter anderem die richtige Probenentnahme – ob Speichel, Nasen- oder Rachenabstrich – und die Einhaltung der empfohlenen Wartezeit, bevor das Ergebnis abgelesen wird. Ein vorzeitiges Ablesen oder das Verwenden von zu kleinen Probenmengen kann zu falsch-negativen oder falsch-positiven Ergebnissen führen. Zudem sollte die Lagerung der Tests gemäß den Herstellerangaben erfolgen, um die Testqualität nicht zu beeinträchtigen. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, bei Unsicherheiten oder unklaren Testergebnissen einen Arzt aufzusuchen, um weitere Diagnostik einzuleiten. Schnelltests sind eine wertvolle Ergänzung, die mehr Transparenz bieten kann, ersetzen jedoch nicht die professionelle medizinische Beratung und Diagnostik.
