Viele Unternehmen arbeiten heute in Büroräumen, die ursprünglich für andere Anforderungen konzipiert wurden. Teams sind gewachsen, Arbeitsweisen haben sich verändert, technische Ausstattung ist umfangreicher geworden. Statt neu zu bauen, entscheiden sich deshalb immer mehr Organisationen dafür, bestehende Büros umzubauen. Diese Entscheidung bringt Chancen mit sich – aber auch Risiken, wenn der Umbau nicht strukturiert geplant wird.
Dieser Beitrag zeigt, worauf es bei der Weiterentwicklung bestehender Büroräume ankommt und wie Unternehmen typische Planungsfehler vermeiden.
Kurzfassung
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Warum bestehende Büros häufig an ihre Grenzen stoßen
Büroräume altern nicht nur optisch. Häufig sind sie funktional nicht mehr auf die heutige Nutzung ausgelegt. Arbeitsplätze wurden ergänzt, ohne die Raumstruktur anzupassen. Besprechungsräume sind dauerhaft belegt, während konzentriertes Arbeiten kaum noch möglich ist. Gleichzeitig steigen Anforderungen an Ergonomie, Raumklima und technische Infrastruktur.
Ein Umbau bietet die Möglichkeit, diese Defizite gezielt anzugehen – vorausgesetzt, die Ursachen werden richtig erkannt. Reine Schönheitskorrekturen greifen in der Regel zu kurz.
Analyse vor Umbau: Was funktioniert – und was nicht
Der wichtigste Schritt vor jeder baulichen Veränderung ist eine ehrliche Bestandsaufnahme. Dabei geht es nicht um Quadratmeter, sondern um Nutzung:
- Wo entstehen regelmäßig Störungen?
- Welche Räume werden gemieden oder zweckentfremdet?
- Wo entstehen unnötige Wege?
Diese Fragen lassen sich nicht allein anhand von Plänen beantworten. Gespräche mit Mitarbeitenden liefern Hinweise darauf, welche Rahmenbedingungen den Arbeitsalltag erschweren – etwa schlechte Akustik, fehlende Rückzugsmöglichkeiten oder ungünstige Lichtverhältnisse.
Akustik als häufigster Auslöser für Unzufriedenheit
In vielen Bestandsbüros ist die Akustik ein zentrales Problem. Besonders offene Strukturen, die ursprünglich für wenige Personen gedacht waren, geraten bei steigender Belegung schnell an ihre Grenzen. Telefonate, kurze Abstimmungen oder Laufwege führen zu einem konstanten Geräuschpegel.
Wie das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in seinen Forschungsarbeiten zur Raumakustik belegt, erzielen Maßnahmen wie akustisch wirksame Decken oder Stellwände nur dann ihre volle Wirkung, wenn sie auf die Nachhallzeit und den Schallausbreitungsweg im spezifischen Raum abgestimmt sind. Beim Umbau bestehender Flächen lässt sich hier gezielt nachsteuern, zum Beispiel durch:
- Abschirmung einzelner Arbeitsbereiche
- akustisch wirksame Materialien
- Verlagerung lauter Tätigkeiten in dafür geeignete Zonen
Wichtig ist, diese Maßnahmen nicht isoliert zu betrachten, sondern mit Raumaufteilung und Möblierung abzustimmen.
Umbau im laufenden Betrieb realistisch planen
Ein zentrales Thema bei Bestandsumbauten ist die Frage, wie stark der laufende Betrieb beeinträchtigt wird. In vielen Fällen ist eine vollständige Räumung nicht möglich. Umso wichtiger ist eine Planung in Etappen.
Bewährt hat sich ein Vorgehen, bei dem der Umbau abschnittsweise erfolgt. Arbeitsbereiche werden nacheinander angepasst, sodass Teams ausweichen können. Klare Zeitfenster, transparente Abläufe und eine saubere Koordination reduzieren Reibungsverluste und verhindern unnötige Unterbrechungen.
Bestehende Elemente sinnvoll weiterverwenden
Ein Umbau bedeutet nicht zwangsläufig, alles zu ersetzen. In vielen Projekten lassen sich vorhandene Möbel, Bodenbeläge oder Leuchten weiter nutzen – sofern sie funktional und technisch noch geeignet sind. Entscheidend ist, frühzeitig zu prüfen, welche Elemente integrierbar sind und wo Anpassungen notwendig werden.
Diese Herangehensweise schont nicht nur das Budget, sondern sorgt auch dafür, dass der Umbau als Weiterentwicklung wahrgenommen wird und nicht als kompletter Bruch mit der bisherigen Arbeitsumgebung.
Wegeführung und Orientierung neu denken
Ein Aspekt, der bei Umbauten häufig unterschätzt wird, ist die Wegeführung. Mit jeder Erweiterung oder Umstrukturierung verändern sich Laufwege. Ungünstige Anordnungen führen zu mehr Bewegung durch Arbeitsbereiche, was wiederum Unruhe erzeugt.
Durch eine gezielte Neuordnung von Funktionen – etwa die Bündelung von Besprechungsräumen oder die klare Trennung von Durchgangs- und Arbeitszonen – lässt sich die tägliche Belastung spürbar reduzieren.
Planungskompetenz als Sicherheitsfaktor
Gerade bei Umbauten im Bestand greifen viele Faktoren ineinander. Entscheidungen zu Raumaufteilung, Akustik oder Beleuchtung wirken sich unmittelbar auf den Arbeitsalltag aus.
Ohne Erfahrung besteht die Gefahr bekannte Probleme lediglich zu verlagern. Gerade bei der Planung von Büroräumen wird deutlich, wie stark einzelne Entscheidungen ineinandergreifen.
Fazit
Bestehende Büros lassen sich häufig besser an heutige Anforderungen anpassen, als Unternehmen zunächst erwarten. Voraussetzung dafür ist eine Planung, die Nutzung, Arbeitsabläufe und räumliche Wechselwirkungen berücksichtigt. Wer sich Zeit für Analyse nimmt, den Umbau realistisch strukturiert und vorhandene Elemente gezielt einbindet, schafft Arbeitsräume, die den Alltag spürbar entlasten – ohne den Betrieb unnötig zu stören.
